Abschied vom Weißen See

0-Karte1Es war vorauszusehen, und es hat sich seit einigen Tagen angedeutet: Wieder entläßt der Weiße See seine Kinder – die neue Generation von Schwänen vom Jahrgang 2012. Heute war es offenkundig soweit, am 231. Tag nach ihrer Geburt. Wir haben sie seitdem „ganz-nah“ mit und ohne Kamera begleitet, ihnen geholfen, wenn sie in Not waren und uns immer wieder aufs Neue gefreut über ihr Werden und Gedeihen. Von den sechs Küken haben immerhin fünf den heutigen Tag erreicht.

Aber die Natur kennt kein Erbarmen – so habe ich schon im Vorjahr den Prozess der Trennung der Schwaneneltern von ihren Schwanenkindern kommentiert. Es ist nämlich ein „harter“ Vorgang, der keinen Platz für menschliche Moralbegriffe und sentimentale Gefühle läßt. Um des Überlebens und der Arterhaltung willen müssen die Alttiere ihre Jungen aus dem eigenen Revier vertreiben! Weil aber auch diese Kinder an ihrer Kinderstube hängen, nicht zuletzt, weil sie das von vielen Seebesuchern dargebotene Futter nicht missen möchten, müssen die Schwaneneltern gemäß ihrer „inneren Uhr“, ihrer genetischen Programmierung, die Jungtiere kompromißlos aus dem eigenen Revier vertreiben. Das empfinden manche Mitbürger als „grausam“ und sind besten Wollens geneigt, in diesen Naturprozeß einzugreifen. Im Vorjahr gab es im diesem Zusammenhang am See einige umstrittene Vorgänge. Ich hoffe, dass das diesmal vermieden werden kann.

Sehr wahrscheinlich wurde an dem heutigen Regentag eine entscheidende Etappe erreicht. Wir konnten erleben, wie die Alttiere den Jungtieren endgültig klarmachten: Ihr habt jetzt den See zu verlassen, wir dulden euch nicht mehr im Wasser – sucht euch ein neues Revier! Die fünf Schwanenkinder nahmen vorerst auf dem Festland Zuflucht – die Schwaneneltern patrouillierten ständig vor dem Ufer, um den Zugang zum See zu versperren…

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9-DSCN1689-adbOLYMPUS DIGITAL CAMERADie fünf Schwanenkinder blieben meist zusammen; nach vorübergehenden Aufenthalten an anderen Uferabschnitten suchten einzelne wieder die Gemeinschaft der Geschwister. Dabei kam es – wie ich das schon im Vorjahr am 228. Lebenstag,  merkwürdigerweise fast genau am gleichen Lebenstag wie heute (231.), beobachtete – zu ähnlichen eigenartigen Bekundungen gegenseitiger Zuneigung. Die Altschwäne nahmen indes schon mal ein winterliches Wellness-Bad…

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Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
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2 Kommentare zu Abschied vom Weißen See

  1. jule sagt:

    kurz nachdem Sie weg waren, ging einer der Jungschwäne ins Wasser und wurde von seinem Vater deutlich des Platzes verwiesen: nach kurzer Flucht im Wasser hob der Junge ab und drehte mindestens 17 Runden über unserem See. Dabei nahm er immer mehr an Höhe zu und war auch hoch genug, um über die Baumwipfel abzudrehen. Nach jeder Runde rechneten wir damit, dass er nun über unseren Köpfen hinweg verschwinden würde. Warum er es dann doch nicht getan hat, sondern wieder runter ging und dann schnell wieder an Land zu seinen Geschwistern, wissen wir nicht.

    Leider hatten wir die letzten Jahre ja keine Gelegenheit, den natürlichen Prozess des Weggehens zu beobachten, da die Jungschwäne immer aus Vorsicht schon per Hand abtransportiert wurden. Aber uns ist auch das Zusammglucken der Jungschwäne aufgefallen und meine Vermutung geht dahin, dass die Jungtiere gemeisam wegfliegen werden – wenn sie nicht wieder von Menschen in diesem natürlichen Prozess unterbrochen werden.

    Wie Sie ja auch mitbekommen hatten, war der eine Jungschwan schon deutlich vom See und Familie weg, es schien fast, als würde er auf etwas warten. Vielleicht gehört dies ja zu dem Prozess dazu, dass jedes der Jungtiere solche Runden zuerst dreht und wieder runter kommt und wenn alle damit fertig sind, vielleicht fliegen sie ja dann gemeinsam fort?

    Fakt ist: sie waren bereits mehrfach mit ihren Eltern von unserem See weg und wissen daher, wo sie hin müssen und Fakt ist auch: sie können es. Das heutige Schauspiel hat es wieder einmal bewiesen, dass dem so ist.

    Es bleibt wirklich spannend!

    Im Übrigen waren die Hundebesitzer überwiegend einsichtig und haben direkt ihre Hunde angeleint um so den Jungtieren den Stress der Flucht vor den Hunden ins Wasser zu ersparen…

    • Herbert Schwenk sagt:

      Danke für den ausführlichen Kommentar. Sehr interessant und erstaunlich die Beobachtung mit dem hoch und ausdauernd fliegenden Jungschwan, der jedoch zu seinen Geschwistern zurückkehrte. Es handelt sich offensichtlich um das seit eh aktivste und am weitesten entwickelte Jungtier, das schon öfter auf sich aufmerksam machte. Der Gegenpol scheint ein „Kümmerling“ zu sein, der ebenfalls gelegentlich auffiel – durch seine relative Schwäche. Ob der „Starke“ nun zurückkehrte, um auf den Rest und besonders auf den Schwachen zu „warten“, oder noch andere „Überlegungen“ eine Rolle spielten, werden wir kaum erfahren.

      Heute Vormittag schaute ich kurz zum See, um den Fortgang des Geschehens zu beobachten. Die Auseinandersetzungen gingen weiter. Auffällig, dass besonders der „starke“ Junge immer wieder ins Wasser ging, als suche er das Duell mit seinem Vater – und immer wieder aus dem Wasser vertrieben wurde bzw. ins Wasser floh, wenn er an Land gejagt wurde. Die übrigen Geschwister trauten sich nur noch kurzzeitig in Ufernähe ins Wasser – bevor sie wieder auf das Land flüchteten, wenn ein Elterntier drohend näher kam. Ich habe davon paar Fotos gemacht und füge sie, zur Karte gebündelt, am Schluß meines gestrigen Beitrages an.

      Gruß Herbert Schwenk

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