Der Briesener See darf nicht sterben!

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Der Briesener See hat in unserer Familie einen besonderen Stellenwert. Vor etwa 50 Jahren, in den späten sechziger bis frühen siebziger Jahren, verlebten wir hier viele Sommerurlaube. Unsere Kinder erlernten hier das Schwimmen und erlebten intensiv die freie Natur, Komfort brauchten wir nicht – kurzum: Der Aufententhalt am Briesener See war Legende.

Das war in unserer Lübbener Zeit und ist lange her. Aber seitdem lockt er immer wieder aufs Neue und zieht uns magisch an – nicht nur aus Nostalgie. Denn der Briesener See gehört zu den schönsten Badeseen in der Umgebung Lübben und der gesamten Lausitz – rund 8 km von der Spreewald-Kreisstadt entfernt. Der See mit seiner einstigen Nord-Süd-Ausdehnung von 1,5 km und einer Fläche von 54 ha (das entspricht dem 6,5-fachen der des Berliner Weißen Sees) hat eine herrliche Lage: Umrahmt von Wäldern in einer eiszeitlich geprägten Moränenlandschaft liegt er direkt vor den Toren des UNESCO-Biosphärenreservats Spreewald.

Ich nutzte gestern das schöne Wetter am kalendarischen („astronomischen“) Herbstanfang, um wieder einmal den Briesener See zu besuchen – auf gut bekannten Wegen, vorbei an Altem und Neuem, inzwischen per Bahn, Bus und Fußmarsch. Und der sog. Altweibersommer lieferte zusätzlich das denkbar beste Ambiente …

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Und dann kam beim Wiedersehen des alten vertrauten Briesener Sees die böse Überraschung: Der See, der seit der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren besteht, scheint unter der Last des Klimawandels in unserer Zeit bei der Häufung von extrem warmen und trockenen Sommern immer mehr Wasser zu verlieren – und so möglicherweise zu sterben! Ich umwanderte fast den gesamten See – vom Südwestufer am „Haus am See“ über den enorm verbreiterten Badestrand am Südufer entlang der Ostseite bis hinauf zur Nordwestecke. Und sah dabei die erschreckenden Folgen des sinkenden Wasserspiegels: ein ökologisches Drama, ein massenhaftes Absterben junger Birken, eine sterbende Landschaft wie am Aralsee – mitten in Mitteleuropa Verhältnisse wie in Mittelasien! In Gesprächen mit Ortskundigen wurde von einigen versucht, das ökologische Drama zu beschwichtigen: Die Ursache müsse nicht der Klimawandel sein, sie könnte auch in „hydrologischen Schwankungen“ liegen, die über Jahrzehnte seit der Eiszeit wirken … Für mich kein Trost, eher Bestärkung: Der Klimawandel muß gestoppt werden, mindestens – so das vereinbarte internationale Ziel – darf die Temperaturerhöhung 2 Grad C gegenüber der vorindustriellen Zeit nicht überschreiten – der Briesener See ist dafür eine Mahnung mehr!

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Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
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