Neujahrsmorgen im Kiez – der traditionelle Spaziergang seit vielen Jahren. Zunächst schien alles wie immer: Auch ohne Schnee die gewohnte Winteridylle, sogar mit Raureif in manchen Bodensenken, Lampionblumen, Gänseblümchen, Korallenbeeren und einem kleinen „Mäuse-Highway“ …


Aber bald zeigte sich, dass die Idylle trügt: Die Silvesternacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Überall lagen die Relikte der abgefeuerten Raketen herum. Aber im Unterschied zu früheren Jahren mußten wir diesmal einen regelrechten „Katjuscha-Hagel“ über uns ergehen lassen. Die Raketen und „Abschußrampen“ werden immer gewaltiger: Es werden nicht mehr Raketen, sondern ganze „Batterien“ abgeschossen – bis zu 250 Schüsse, 490 g Explosivstoff, Effekthöhe 45 m, Brenndauer 60 sek, kann man auf leeren Schachteln lesen …



Die Schäden solcher „Katjuscha“-Feuerwerke liegen auf der Hand. Hunderte Berliner verletzten sich in der Silvesternacht (3 792 Notrufe, 1 667 Feuerwehreinsätze, 450 Brände, 4 109 Funkwageneinsätze der Polizei). Der ohrenbetäubende Lärm wirkt schädlich auf das menschliche Gehör. Die Luftbelastung ist erheblich. Die Beseitigung des Mülls schließlich geschieht nicht durch die Verursacher, sondern auf aller Kosten: Es waren insgesamt nach der Silvesternacht 600 BSR-Mitarbeiter und 150 Fahrzeuge in Berlin unterwegs. (Datennachtrag laut Berliner Kurier v. 2.1.14)
Was mir jedoch am heutigen Neujahrsmorgen am meisten auffiel, war dies: Auch die Natur leidet erheblich unter dem Böllerwahnsinn. Ich sah in unseren Kiez-Parkanlagen, also mitten in den geschützten Grünanlagen, nie soviel Feuerwerksmüll wie heute Morgen. Der Böllerwahnsinn belastet damit auch erheblich unsere heimische Tierwelt. Sichtbarstes Beispiel: Unser verbliebener Schwan auf dem Fennpfuhlsee, den ich Silverstervormittag noch fotografierte, hat mutmaßlich nach dem Böllerwahnsinn heute Morgen die Flucht ergriffen.
Da fällt einem nur noch die Zeile aus Schillers „Lied von der Glocke“ ein: „Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang“ ...






