Ein Hauch von Spätsommer

Was hat der Sommer nach dem Dauerregen der vergangenen Wochen noch zu bieten? Das vorletzte Augustwochenende läßt zwar wieder etwas Hoffnung auf mehr Sonne und Wärme, aber es wird wohl nur noch ein spätsommerliches Intermezzo werden.  Einen Hauch davon bekam ich heute schon mal bei einer kleinen Radtour auf dem Barnimer Dörferweg im Raum Falkenberg zu spüren. Die ganz große Blütenpracht der Kamillenfelder, Kornblumen und Mohnblumen ist verschwunden. Aber am Wegesrand konnte ich noch manchen meiner Lieblinge vergangener Wochen begrüßen, allen voran die Filzkletten, wenn auch neben immer noch prächtigen Blüten sich immer mehr abgestorbene zeigten. Die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schienen noch hastiger von Blüte zu Blüte zu huschen…

Und dann hatte ich noch – unter den staunenden Augen eines Kälbchens – das Glück, eine der häufigsten Libellenarten im Flachland Mitteleuropas wieder mal ganz nah vor meine Linse zu bekommen: die Blaue Federlibelle, benannt nach den auffällig federartig behaarten Beinen, manchmal auch Gemeine Federlibelle genannt (wissenschaftlicher Name: Platycnemis pennipes). Das Regenwetter der letzten Tage muß wohl den Fortpflanzungstrieb dieser sonst meist an Tümpeln oder anderen Wasserstellen lebenden Kleinlibellen mächtig angetrieben haben. Aber anstatt die Eier wie üblich in einen Pflanzenstengel hineinzubohren, war das Pärchen auf dem Draht einer Viehweide gelandet, und wie in einer Zirkusarena bei einem „Drahtseilakt“ bot das hellgrüne Weibchen mit dem angekoppelten hellblauen Männchen meiner Kamera ein reales artistisches sog. Paarungsrad fast in Vollendung – ein schönes Naturschauspiel!

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Die kleine Welt – ganz in Blau

Der Unmut über den (bisher) verregneten Sommer wächst. Auch Hobbyfotografen schauen ungeduldig zum Himmel: Wann kommt endlich das ersehnte Sonnenlicht? Aber warum eigentlich soll es kommen? Birgt die kleine Welt, die uns draußen umgibt, nicht auch immer wieder viel Geheimes und Wunderschönes ohne Sonnenschein? Das haben sich wohl auch Dichter und Denker immer wieder gefragt und auf ihre Weise geantwortet. So zum Beispiel Karl Mayer (1786-1870), ein süddeutscher Dichter, der diesen Vierzeiler „Die kleine Welt“ schrieb: „Ach, im Trieb des kleinsten Keimes / Liegt so wunderbar Geheimes, / Dass er schon die ganze Welt / Meinem Blick entgegenhält.“

Also nahm ich meine Kamera und zog trotz des Regens wieder mal hinaus in „Die kleine Welt“ – in meinen Biotop „ganz nah vor der Tür“. Der Regenschirm brachte mich dabei auf die Idee, ihn mal etwas anders einzusetzen – als blauen Kontrast-Hintergrund für meine Fotos. Und siehe da – heraus kam „Die kleine Welt – ganz in Blau“; oder um es noch mal mit Karl Mayer auszudrücken: „Als wenn die Landschaft wunderhold / Ergrünt im blauen Sonnengold“ – und das ganz ohne Sonne …

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Schöner Siebenschläfer in Nöten

Am 27. Juni begann ich meinen Siebenschläfer-Artikel mit dem Satz: „Herrlicher Sommertag heute – und das am Siebenschläfer!“ und beschloß den Text: „Dieser Siebenschläfer 2011 macht Hoffnung auf einen langen schönen Sommer!“

Nun ist die Hälfte der Sommerzeit vorbei, und wir haben seit Tagen Herbstwetter und Dauerregen. Der „lange schöne Sommer“ hat noch nicht stattgefunden – noch nicht. Die Hoffnung bleibt. Aber soll ich schon von einem „Irrtum“ sprechen und mich mit Sophokles (um 496-406 v.Z.) trösten: „Dem Irrtum sind die Menschen samt und sonders ausgesetzt“? Ich habe mir die Sache mit dem Siebenschläfer noch einmal genauer angesehen.

Es ist richtig, dass sich der alte Volksglaube mit seiner sommerlichen Wetterprognose strikt auf den 27. Juni festlegt („Es ist ein weit verbreiteter Volksglaube, daß, wenn es am 27. Juni regnet, während der folgenden sieben Wochen jeden Tag etwas Regen fällt.“ BROCKHAUS, Bd. 14, Leipzig 1908, S. 951). Das ist die enge Auslegung der Siebenschläfer-Legende, die schon auf eine „Acta Sanctorum“ aus der Zeit um 570 zurückgehen soll. Aber längst hat die meteorologische Wissenschaft diese enge Regelauslegung korrigiert. Danach geht es bei der sommerlichen Wetterprognose nicht um den Stichtag 27. Juni, sondern in erweiterter Form um das Juni-Monatsende und die erste Juli-Dekade. Für die Meteorologie scheint gesichert, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schlechten Sommer groß ist, wenn in der genannten Zeitspanne der Luftdruck über Mitteleuropa unternormal ist. Und danach schaut es schon etwas anders aus als am Sommertag des 27. Juni: Am Juli-Anfang hatten wir bereits einen Dauerregen mit unter 20-Grad Lufttemperatur, und nach einer Kurzeinlage von wenigen Sommertagen ging das kühle Regenwetter bis heute weiter… Also nicht allein auf den „herrlichen Sommertag“ vom 27. Juni schauen, sondern die beiden Wochen danach mit in die Wetterprognose einbeziehen!

Siebenschläfer und Wetterprognose hin und her – auch der Dauerregen hat seine fotografischen Reize. Jedenfalls fand ich das heute einmal mehr in unserem Kiez bestätigt. Die folgenden Fotos zeigen regentriefende Blätter, Rosen und Heckenrosen, Malven-, Distel- und Klettenblüten, selbst eine „Mistbiene“ (Eristalis tenax; zoologisch ist sie gar keine Biene, sondern gehört zur Familie der Schwebfliegen) ließ sich vom Dauerregen nicht abschrecken, und sogar die ersten Hagebutten präsentierten sich im Regenglanz – allerdings den ebenso pitschnassen Fotografen ließ die Kamera außen vor.

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