Schöner Siebenschläfer in Nöten

Am 27. Juni begann ich meinen Siebenschläfer-Artikel mit dem Satz: „Herrlicher Sommertag heute – und das am Siebenschläfer!“ und beschloß den Text: „Dieser Siebenschläfer 2011 macht Hoffnung auf einen langen schönen Sommer!“

Nun ist die Hälfte der Sommerzeit vorbei, und wir haben seit Tagen Herbstwetter und Dauerregen. Der „lange schöne Sommer“ hat noch nicht stattgefunden – noch nicht. Die Hoffnung bleibt. Aber soll ich schon von einem „Irrtum“ sprechen und mich mit Sophokles (um 496-406 v.Z.) trösten: „Dem Irrtum sind die Menschen samt und sonders ausgesetzt“? Ich habe mir die Sache mit dem Siebenschläfer noch einmal genauer angesehen.

Es ist richtig, dass sich der alte Volksglaube mit seiner sommerlichen Wetterprognose strikt auf den 27. Juni festlegt („Es ist ein weit verbreiteter Volksglaube, daß, wenn es am 27. Juni regnet, während der folgenden sieben Wochen jeden Tag etwas Regen fällt.“ BROCKHAUS, Bd. 14, Leipzig 1908, S. 951). Das ist die enge Auslegung der Siebenschläfer-Legende, die schon auf eine „Acta Sanctorum“ aus der Zeit um 570 zurückgehen soll. Aber längst hat die meteorologische Wissenschaft diese enge Regelauslegung korrigiert. Danach geht es bei der sommerlichen Wetterprognose nicht um den Stichtag 27. Juni, sondern in erweiterter Form um das Juni-Monatsende und die erste Juli-Dekade. Für die Meteorologie scheint gesichert, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schlechten Sommer groß ist, wenn in der genannten Zeitspanne der Luftdruck über Mitteleuropa unternormal ist. Und danach schaut es schon etwas anders aus als am Sommertag des 27. Juni: Am Juli-Anfang hatten wir bereits einen Dauerregen mit unter 20-Grad Lufttemperatur, und nach einer Kurzeinlage von wenigen Sommertagen ging das kühle Regenwetter bis heute weiter… Also nicht allein auf den „herrlichen Sommertag“ vom 27. Juni schauen, sondern die beiden Wochen danach mit in die Wetterprognose einbeziehen!

Siebenschläfer und Wetterprognose hin und her – auch der Dauerregen hat seine fotografischen Reize. Jedenfalls fand ich das heute einmal mehr in unserem Kiez bestätigt. Die folgenden Fotos zeigen regentriefende Blätter, Rosen und Heckenrosen, Malven-, Distel- und Klettenblüten, selbst eine „Mistbiene“ (Eristalis tenax; zoologisch ist sie gar keine Biene, sondern gehört zur Familie der Schwebfliegen) ließ sich vom Dauerregen nicht abschrecken, und sogar die ersten Hagebutten präsentierten sich im Regenglanz – allerdings den ebenso pitschnassen Fotografen ließ die Kamera außen vor.

Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
Dieser Beitrag wurde unter "Mein Biotop ganz nah vor der Tür", Blumen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Schöner Siebenschläfer in Nöten

  1. jule sagt:

    sehr schöne Fotos. Das eine hier mit den Hagebutten habe ich heute übrigens schon mal gesehen…. (((im Kurier als Leserfoto *pst!*)))

Schreibe einen Kommentar