Die zottigen Rosengallen – ein Naturphänomen

Wer sich in diesen Tagen in der Natur umschaut, begegnet nicht nur fantastisch gefärbten Herbstkreationen aller Art…

Schon seit Jahren beobachtete ich an den Hecken der Wildrosen, von denen es etwa 30 Arten mit jeweils vielen Unterarten geben soll, seltsame zottige Gebilde, ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich hatte zwar ihren Namen gehört oder gelesen: sog. Rosengallen oder auch Rosenschwämme und Schlafäpfel genannt, mehr aber nicht…

Erst in diesen Tagen, als ich wieder an diversen Hecken von Wildrosen mit ihren leuchtend roten Hagebutten vorbei kam, wuchs meine Neugier, was es wohl mit diesen Gebilden auf sich hat. Was ich herausfand, ist sehr erstaunlich. Es handelt sich um ein wahres Naturphänomen!

Die zottigen Gebilde sind ein Gemeinschaftswerk von Tier und Pflanze: der winzigen, nur etwa 5 Millimeter kleinen Gemeinen Rosengallwespe (Diplolepis rosae) und der wilden Rose. Um sich zu vermehren, stechen die Rosengallwespen in die Zweige bez. Knospen der Wildrosen, um so ihre unbefruchteten Eier hineinzulegen. Dabei wird ein Sekret eingespritzt, das den Wuchs der zottigen Planzenbildung auslöst. In diesem Gespinst überwintert der Nachwuchs und schlüpft im nächsten Frühjahr. Ein phänomenaler „Trick“ der Rosengallwespe! Aber der Clou ist dabei, dass die Rosengallwespen-Weibchen gar keine Männer brauchen! Diesen Vorgang nennt die Wissenschaft parthenogenetische Fortpflanzung, d.h. Fortpflanzung durch unbefruchtete Keimzellen, also eine Art Jungfrauengeburt… Übrigens wurden die zottigen Rosengallen in früheren Zeiten gepflückt und nach Bedarf unter das Kopfkissen gelegt, um Schlaflosigkeit zu bekämpfen – daher auch der Name „Schlafapfel“.

Jedenfalls verdient es das Naturphänomen, mit einer kleinen Fotoshow gewürdigt zu werden! Heute nahm ich meine Kamera, um dies zu tun…

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Alles hängt am seidenen Faden

Seit heute haben wir es nun auch „amtlich“: Der Herbst ist da. Wohl keiner hat an der kalendarisch-astronomischen Berechnung Zweifel, aber auch die andere Seite, die meteorologische, stimmte absolut: Wir hatten einen richtigen Herbsttag, mit kühlem, teilweise sonnigem und zunehmend windigem Wetter.

Das wollte ich am Morgen mit der Kamera ganz nah, versteht sich, erleben. Ich erwischte bodennahe Malvenblüten, Gräser und Blätter im Morgentau, Beeren der Berberitze („Sauerdorn“) in strahlenden Herbstfarben, vereinzelte Insekten, die sich von der Kühle nicht abschrecken ließen…

Und bei alledem waren die vielen Fäden nicht zu übersehen, die unzählige Spinnen zwischen den Pflanzen gezogen hatten – der sog. Altweibersommer ist da. Obwohl bisher noch nicht so ausgeprägt wie in früheren Jahren, macht auch der diesjährige „Altweibersommer“ wie zu keiner anderen Jahreszeit einen Grundzug der gesamten Natur deutlich: die Empfindlichkeit und Störanfälligkeit des Naturgeschehens, die Zerbrechlichkeit vieler Erscheinungen und Zusammenhänge – alles hängt „am seidenen Faden“!

Dabei ist diese Redewendung uralt. Sie soll der Legende nach sogar auf die Antike zurückgehen, als im sizilianischen Syrakus der Höfling Damokles von seinem Chef, dem Tyrannen Dionysios I. (430-367 v. Z.), auf eine grausame Probe gestellt worden sei. Damokles hatte die Herrschaft des Tyrannen als großes Glück gepriesen. Daraufhin habe ihm der Gebieter auf drastische Weise vorgeführt, wie gefährlich auch das Leben eines Tyrannen sei: Er ließ angeblich über Damokles an der opulenten Speisetafel des Herrschers „ein scharf geschliffenes Schwert“ an einem „Pferdehaar“, das an der Decke befestigt war, aufhängen. So habe der Günstling „unter dem Damoklesschwert“ begriffen, wie bedroht „das Glück“ ständig sei…

Aus dem Rosshaar wurde irgendwann ein „seidener Faden“. Heute steht die Redewendung vom „seidenen Faden“ allgemein für drohende Gefahr(en). Sie wird gerne auf unsere bedrohte Welt, unser gesellschaftliches Leben voller Gefahren, vor allem aber auf die bedrohte Natur und unseren ramponierten Planeten bezogen. Für mich haben daher die folgenden Fotos etwas Symbolhaftes: Wie fragil und störanfällig ist doch heute unser Leben und alles, was uns rings umgibt! Übrigens: In einem Tim-Bendzko-Song heißt es:

„Und jeder Atemzug, hängt am seidenen Faden, solang bis wir da sind…“

 

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20 Kilometer rund um den Müggelsee

Auf zum Müggelsee! Das hatte ich mir schon seit einiger Zeit vorgenommen, aber erst gestern kam es dazu. Der Zeitpunkt war günstig: Der Spätsommer war gerade dabei, den Staffelstab an den Frühherbst zu übergeben. Der Müggelsee mit seinem Umland gehört seit vielen Jahren zu meinem Radtouren-Programm. Meist umrunde ich ihn von Friedrichshagen und dem Spreetunnel aus nur etwa zur Hälfte und zweige dann irgendwie ins Umland ab, zum Beispiel in Richtung Köpenick. Bei winterlichen Vereisungen habe ich den Müggelsee auch mehrfach der Länge nach zu Fuß überquert. Vollständige Umrundungen per Fahrrad sind wegen der etwas unbequemen Überquerung der Müggelspree hinter Müggelhort bei mir eher selten. Gestern aber wollte ich es mit der Totalumrundung noch einmal wissen.

Für jeden Berliner ist es eine Binsenweisheit: Der Müggelsee ist mit seiner 766-Hektar-Wasserfläche nicht nur der größte Berliner See, sondern gehört mit seinem Umland zu den schönsten Naturparadiesen der Stadt. Die Spree hat ihn seit der Eiszeit mit einem riesigen Wasserreservoir von 36,5 Millionen Kubikmetern ausgestattet – das ist zum Beispiel das rund 100-fache Volumen des Weißen Sees und rund 345-fache Volumen des Orankesees. Und das „verpackt“ in einer herrlichen Landschaft mit viel Wald und Dünensand, darunter Berlins höchste Bodenerhebung, die 115 Meter hohen Müggelberge. Viele Wander- und Radwege laden ein, die Müggelseelandschaft zu genießen.

Ich begann meine 20-Kilometer-Umrundung wie immer am Spreetunnel Friedrichshagen, am nordwestlichen „Zipfel“ des Großen Müggelsees. Dort wird man erst einmal freundlich von den Müggelsee-Möwen begrüßt. In der „ersten Halbzeit“ geht es zunächst auf sehr gut erschlossenen Wander- und Radwegen am West- und Südufer über Rübezahl und Müggelseeperle entlang in Richtung Müggelhort am südöstlichen „Zipfel“ des Sees. Neben den wunderschönen Ausblicken auf die Seefläche gibt es aber auch manch „Spätsommerlich-Herbstliches“ am Wegrand, was zum Stoppen und Fotografieren einläd…

Hat man endlich die Überquerung der Müggelspree per Mini-Fähre an der Ostseite geschafft, beginnt in Rahnsdorf die etwas schwierigere „zweite Halbzeit“ der Seeumrundung. In Rahnsdorf, dem alten märkischen Fischerdorf (erstmals 1375 urkundlich erwähnt) mit seiner sehenswerten Kirche, muß man das östliche Müggelseeufer zunächst für einige Zeit verlassen. Erst im Bereich der EU-Badestelle des Strandbades Müggelsee mit seiner 830 Meter langen Uferzone am Nordostufer gelangt der Müggelsee wieder in Sichtweite der Umrundungstour. Man wird, zumal bei Südwestwind, reichlich entschädigt durch schöne Blicke auf kräftigen Wellengang und die Skyline der Müggelberge hinter dem Südufer des Großen Müggelsees. Danach versperrt das Wasserwerk Friedrichshagen erneut die Weiterfahrt am See, bevor man schließlich die letzten Kilometer bis zum Ausgangspunkt Spreetunnel wieder in Sichtweite des Müggelsees zurücklegen kann – begrüßt und verabschiedet von den freundlichen Müggelsee-Möwen…

 

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