Die zottigen Rosengallen – ein Naturphänomen

Wer sich in diesen Tagen in der Natur umschaut, begegnet nicht nur fantastisch gefärbten Herbstkreationen aller Art…

Schon seit Jahren beobachtete ich an den Hecken der Wildrosen, von denen es etwa 30 Arten mit jeweils vielen Unterarten geben soll, seltsame zottige Gebilde, ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich hatte zwar ihren Namen gehört oder gelesen: sog. Rosengallen oder auch Rosenschwämme und Schlafäpfel genannt, mehr aber nicht…

Erst in diesen Tagen, als ich wieder an diversen Hecken von Wildrosen mit ihren leuchtend roten Hagebutten vorbei kam, wuchs meine Neugier, was es wohl mit diesen Gebilden auf sich hat. Was ich herausfand, ist sehr erstaunlich. Es handelt sich um ein wahres Naturphänomen!

Die zottigen Gebilde sind ein Gemeinschaftswerk von Tier und Pflanze: der winzigen, nur etwa 5 Millimeter kleinen Gemeinen Rosengallwespe (Diplolepis rosae) und der wilden Rose. Um sich zu vermehren, stechen die Rosengallwespen in die Zweige bez. Knospen der Wildrosen, um so ihre unbefruchteten Eier hineinzulegen. Dabei wird ein Sekret eingespritzt, das den Wuchs der zottigen Planzenbildung auslöst. In diesem Gespinst überwintert der Nachwuchs und schlüpft im nächsten Frühjahr. Ein phänomenaler „Trick“ der Rosengallwespe! Aber der Clou ist dabei, dass die Rosengallwespen-Weibchen gar keine Männer brauchen! Diesen Vorgang nennt die Wissenschaft parthenogenetische Fortpflanzung, d.h. Fortpflanzung durch unbefruchtete Keimzellen, also eine Art Jungfrauengeburt… Übrigens wurden die zottigen Rosengallen in früheren Zeiten gepflückt und nach Bedarf unter das Kopfkissen gelegt, um Schlaflosigkeit zu bekämpfen – daher auch der Name „Schlafapfel“.

Jedenfalls verdient es das Naturphänomen, mit einer kleinen Fotoshow gewürdigt zu werden! Heute nahm ich meine Kamera, um dies zu tun…

Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
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