Herbstfestival im Wald

Von der Witterung her war das gestern noch einmal ein herrlicher Spätsommertag: sonnig und warm. Aber der Kalender mahnt: Es ist Vollherbst und Gipfel des Goldenen Oktober.

In der Tradition des vergangenen Jahrzehnts wollte ich dieses Herbstfestival des Lichts in der Natur außerhalb Berlins mit meiner Kamera erleben – und suchte mir einen mit der Bahn gut erreichbaren „leuchtenden Wald“ im Raum von Neuseddin aus: mit märkischen Kiefern, Mischwald und sogar Pilzen. Und über allem der markante Herbstgeruch vom Vergehen in der Natur, wie es Nikolaus Lenau (1802-1850) in der letzten Stophe seines Gedichtes „Herbst“ in Dichterworte kleidet:

„In dieses Waldes leisem Rauschen / Ist mir als hör‘ ich Kunde wehen, / Dass alles Sterben und Vergehen / Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.“

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Ein seltener Fund in Berlin

Nur einen Tag nach meinem gestrigen Besuch der „Herbstsinfonie“ wollte ich heute auch die ersten zarten Eiskristalle nach dem ersten herbstlichen Bodenfrost mit der Kamera „ganz nah“ einfangen …

Aber schon nach wenigen Schritten bemerkte ich auf einer der größeren krautigen Grünflächen des Biotops Volkspark Prenzlauer Berg an einem der kleineren, heute Morgen aber auffallend hellen Spinnengespinsten eine braun-rötlich gefärbte Spinne. Ich hatte diese Spinnenart schon vor sechs Jahren im Kameravisier und seinerzeit als „Trochosa-Wolfspinne“ identifiziert. Das aber war falsch – wie ich seit heute weiß. Denn was ich da heute Morgen an den reifüberzogenen Gespinsten gesehen und später neu recherchiert hatte, war keine vermeintliche Trochosa-Wolfsspinne, sondern eine Ammen-Dornfingerspinne mit dem wissenschaftlichen Namen Cheiracanthium punctorium, manchmal kurz nur „Dornfinger“ genannt. Und es kam noch toller: Als ich mich näher an dem Ort umschaute, entdeckte ich auf einem Quadtat von etwa 5 mal 5 Meter gleich drei solcher Gespinste – und überall hatte das jeweilige Spinnenweibchen das Brutgespinst für Minuten verlassen, um sich in der Morgensonne zu wärmen und danach wieder durch die „Tür“ in den „Bau“ zu schlüpfen…

Dieser Fundort einer Ammen-Dornfingerspinne in unserem nahen Biotop ist einigermaßen aufregend. Immerhin soll es weltweit über 80 000 Spinnenarten geben, von denen erst 41 000 erforscht sind. Diese Spinnenart ist im Mittelmeerraum beheimatet und bei uns eingewandert. Noch 1984 gab es keine in Deutschland und erst in den 90er Jahren tauchte sie auch im südöstlichen Brandenburg einschließlich Berlin auf. Ihre Verbreitung nach Norden könnte ein weiteres Indiz für allgemeine Klimaerwärmung sein. Dass sie sich auch in unserem Biotop wohl fühlt, hängt – neben den vergangenen warmen Sommern – vor allem auch mit unserem ursprünglichen, weniger chemisierten und „beackerten“ Pflanzenwuchs zusammen. Denn die Dornfingerspinne braucht für den Gespinstbau harte Stängel, die sie mit ihren Fäden „zusammenbindet“, um dort ihren Eikokon mit mehreren Eiern abzulegen. Im Inneren des Kokons, der oben auf dem Foto deutlich erkennbar ist, bewacht das Spinnenweibchen wie eine „Amme“ intensiv das Gelege, bis die Jungspinnen noch im Spätherbst schlüpfen – danach stirbt das Weibchen den „Heldentod“. Und noch zwei Besonderheiten: Zum einen gehören die Ammen-Dornfingerspinnen zu den seltenen Spinnenarten, deren Biss für Menschen giftig ist und zum anderen können auch sie ein oder mehrere Beine „verlieren“: üblicherweise haben Spinnen 8 Beine, auf meinen Fotos ist im zweiten Teil auch eine „Dornfinger“ mit nur 7 Beinen zu erkennen. Und nun Bühne frei für den seltenen Fund in Berlin!

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Herbstsinfonie

Langsam wird es schwierig, immer neue Titel für das faszinierende Geschehen in der herbstlichen Natur zu finden. Meine Fotos vom heutigen Morgen-Herbstspaziergang überschreibe ich mit Herbstsinfonie, um damit zu versuchen, der Harmonie im Gang der Natur beim Werden und Vergehen, der unendlichen Schönheit der Formen, die dabei entstehen, annähernd zu entsprechen. Immer wieder greife ich dabei gerne auf die schönen Herbstgedichte zurück, etwa „Herbstbild“ von Ch. Friedrich Hebbel (1813-1863) mit der Super-Zeile: „O stört sie nicht, die Feier der Natur!“ oder auch auf das Gedicht „Herbstmorgen“ von Theodor Fontane (1819-1898), so beispielsweise im Blogbeitrag „Herbstmorgen – mehr als ‚todesnahe Öde'“ (22.11.2016).

Und wie so oft konnte ich auch heute meine Herbstsinfonie nicht allzu weit entfernt als Open-Air-Konzert besuchen…

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