Herbstmorgen – mehr als „todesnahe Öde“

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Theodor Fontane (1819-1898) hat wohl auch den Spätherbst vor Augen gehabt, als er sein Gedicht „Herbstmorgen“ schrieb. Es ist ein traurig-düsteres Gedicht, das Fontane angesichts des bevorstehenden tödlichen Winters verfaßte: „Wolken ziehn, wie Trauergäste“ (1. Strophe), „Die Erde, seinen großen Toten“ (2. Strophe), „todesnahe Öde“ (3. Strophe), „des Eises Ketten“ (4. Strophe).

Als ich gestern und heute den Herbstmorgen erlebte, sah und empfand ich etwas mehr als „todesnahe Öde“. Auch die herbstliche Natur kennt nämlich nicht nur das Vergehen, sondern auch gleichzeitiges Werden, Keime des Kommenden. Zu jeder Jahreszeit gibt es Altes und Neues, Werden und Vergehen, natürlich bei deren unterschiedlicher Gewichtung innerhalb der Jahreszeiten. Bei Friedrich Hebbel (1813-1863) zum Beispiel findet das in dem schönen „Herbstgedicht“ seinen Ausdruck in den bekannten, geradezu enthusiastischen Worten: „Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!“ (1. Zeile) und „O stört sie nicht, die Feier der Natur!“ (5. Zeile) Das gefällt mir viel besser als Fontanes Blick nur auf das große Sterben.

Bei meinen Streifzügen gestern und heute Morgen im Fennpfuhlkiez sah meine Kamera jedenfalls etwas mehr als nur „todesnahe Öde“

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Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
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