Überraschung am Barnimer Dörferweg

Es war eigentlich nur ein üblicher Fahrradausflug ins Falkenberger Naturschutzgebiet. Wieder einmal, um den schönen Spätherbsttag in vollen Zügen auszukosten. Zwar lassen die vertrockneten Filzkletten nur noch ihre verkannte sommerliche Schönheit ahnen, aber der Nachtfrost hatte entlang des Barnimer Dörferweges manche neue vorwinterliche Schönheit in Eis kreiert, die meine Kamera – trotz gelegentlicher Hindernisse in Gestalt umgestürzter Bäume – zunächst beschäftigte, bevor es dann eine große Überraschung gab …

Die große Überraschung gab es auf den überschwemmten Wiesen des Falkenberger Naturschutzgebietes. Ich traute meinen Augen nicht: Schon von weitem waren etliche weiße Punkte zu erkennnen, die sich beim Näherkommen als 11 (!!!) Schwäne entpuppten …

Die 11 Schwäne – so dokumentiert das Foto – bildeten zwei Gruppen: Offenkundig handelte es sich um zwei Großfamilien. Zur größeren (im Foto rechten) Gruppe gehörten anfangs sechs Jungschwäne nebst einem Elternpaar.

Zu meiner Überraschung wanderte bald einer der Altschwäne mit einem Jungschwan zur kleineren Gruppe ab, ohne dass dabei irgendwelche Kontakt-Reibereien erkennbar waren. Nach einiger Zeit kehrte ein Altschwan (derselbe?) mit  zwei Jungschwänen zurück, als habe er einen „verlorenen Sohn“ wieder „heim“ gebracht – so dass sich nun die eine Großfamilie plötzlich als  Siebenlinge mit Eltern darstellte. Was war denn das nun? Etwa unsere Siebenlinge vom Weißen See oder aber Siebenlinge mit unbekannter Herkunft?

Schließlich fuhr ich auf dem Rückweg noch einmal am Weißen See vorbei – über mir übrigens ein Schwarm von Wildgänsen – und staunte nicht schlecht: die Weißenseeer Siebenlinge waren – wie beim Wettlauf von Hase und Igel – „schon“/noch da! Bekannte bestätigten: die Schwäne waren „in den letzten Stunden nie weg“. Ein spannendes Rätsel! Wer kann es lösen?

Nachtrag, einen Tag später, 30. November 2011:

Die Neugier trieb mich heute noch einmal hinaus ins Falkenberger Naturschutzgebiet, um nach den Schwänen vom Vortag zu schauen. Überraschung hin oder her: Die Schwäne waren immer noch da!

Auf dem Foto erkennt man, bei tiefstehender Spätnachmittagssonne, 12 von den 13 Schwänen, die ich heute zählte. Vermutlich sind keine weiteren hinzugekommen: Ich hatte gestern mit meiner Kamera wohl zwei „übersehen“. Wie am Vortag war auch heute die Stuktur zweier Familien erkennbar, die sich allerdings wieder zeitweilig vermischten. Bei der Großfamilie mit den Siebenlingen hielt sich meist nur ein Altschwan auf, der andere wahrscheinlich bei der kleineren 5er-Gruppe. Auffällig heute die häufige Absonderung eines Jungschwans aus der 5er-Gruppe, der eher die Nähe zur Großfamilie suchte.

Über Herbert Schwenk

Jahrgang 1937; ehemaliger Lehrer und Gesellschaftswissenschaftler der DDR; heute Rentner
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5 Kommentare zu Überraschung am Barnimer Dörferweg

  1. jule sagt:

    ich hab gerade noch mal bei der Ljuba im Blog geschmökert und dabei einen etwas älteren Artikel dort gelesen, wo sie im Naturschutzgebiet in Karow war. Da schreibt sie, dass das Schwanenpaar dort 6 Jungtiere hat.

    Allerdings ist wohl nicht anzunehmen, dass diese Familie gestern in Falkenberg gewesen ist, denn in Karow werden die doch sicherlich auch genug zu Futtern finden?

  2. Herbert Schwenk sagt:

    Danke für den Hinweis. Das ist ja ein interessanter Fingerzeig mit dem „rätselhaften Verhalten der Schwänin vom Ententeich“ (einem der Karower Teiche). Demnach waren Anfang November noch fünf Junge bei der Schwänin. Im Falkenberger NSG aber waren es heute 13! Die Lösung des Rätsels scheint weiter offen…

  3. venaliso sagt:

    Hallo Herr Schwenk,
    habe gerade Ihren Beitrag mit großer Interesse gelesen und Bilder sehr aufmerksam betrachtet. Ich vermute mal stark, es sind alle Jungtiere: die noch grauen Jungschwäne von diesem Jahr und die schon weißen Jungschwäne vom vorigen Jahr, mit noch Rosa-Schnäbeln, wie es auf dem vorletzten Bild und auf dem vierten Bild von unten deutlich zu sehen ist. Diese große Gruppe kann z.B. vom Hafen Treptow stammen, wo es nicht so viel Nahrung im Angebot gibt. Dort sind meistens „alleinstehende“ junge Schwäne zu finden. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass zwei große Schwanenfamilien so reibungslos die Nahrungsquelle teilen könnten. Es geht meiner Meinung nach um eine große Gemeinschaft von Jungschwänen, die sich zusammen halten, wie z.B. die Schwanengemeinschaft am Tegeler Hafen, die ich am 1. November beobachten konnte und aufgenommen habe. Das Bild ist in meiner Galerie zu sehen.
    Vielen Dank für tolle Bilder nebst dem interessanten Text.
    Mit freundlichen Grüßen,
    L. Venaliso

    • Danke für die Nachricht mit den interessanten Infos. Das wäre doch schon mal eine weitere „heiße Spur“ zur Aufklärung des „Rätsels“ um die Schwäne auf den Falkenberger Wiesen. Aber bei mir bleiben Zweifel, ob die gesamte Schar der 13 von mir gezählten Schwäne nur Jungschwäne sind. Dazu passt nicht so recht, dass die (noch stark „grauen“) „Siebenlinge“ relativ geschlossen beisammen blieben und fast ständig von einem oder zwei „weißen“ Schwänen „betreut“ wurden. Vorerst bleibe ich mal noch bei der These von den zwei „Großfamilien“ zu 9 (7+2) und 4 (2+2) Schwänen. Aber noch mal: Sie haben eine interessante neue These aufgestellt…
      Herzlicher Gruß
      Herbert Schwenk

    • jule sagt:

      @venaliso

      Ich kann mir schlecht vorstellen, dass zwei große Schwanenfamilien so reibungslos die Nahrungsquelle teilen könnten.

      warum nicht?

      Schwäne verteidigen ja nur ihr Brutgebiet und Futter, wenn es Mangelware ist. Die Falkenberger Rieselfelder sind kein Brutgebiet – können keins sein, weil sie nur um diese Jahreszeit unter Wasser stehen. Daher „gehört“ dieses Gebiet keinem der Schwäne.

      Futtermangel herrscht hier auch nicht, denn wie Herr Schwenk den Tag sagte, sind die Maisfelder mit reichlicher „Nachlese“ stehengelassen worden – sprich: es liegen noch genügend ganze Maiskolben auf den Feldern rum. Von daher sollten da noch viel viel mehr Schwäne satt werden, als nur die „wenigen“, die Herr Schwenk bisher dort gesehen hat.

      Warum sollten nicht die Schwanenfamilien der „umliegenden Seen“ mit ihren Jungen dort Rast machen und „sich den Kropf vollschlagen“? Warum sollten sie um das reiche Angebot kämpfen – wenn es doch keinerlei Grund dazu gibt?

      Du sprichst von den Schwänen am Tegler Hafen. Dort sind auch jede Menge Schwäne versammelt und das sind nicht alles Jungschwäne von den letzten beiden Jahren – sondern die ganzen Schwäne, die um die kalte Jahreszeit nicht an ihrem See bleiben können, weil diese vereist sind. Auch hier geht es ruhig und gesittet zu.

      Auch dort gibt es keinerlei Revierkämpfe, wie wir sie hier bereits öfters an unserem See von unseren Schwänen her gewohnt sind. Am Tegler Hafen ist alles so weit ruhig, obwohl wir Ende Januar über 70 Schwäne dort gezählt haben. Einzig und allein mit dem Unterschied, dass es einen Leitschwan zu geben schien, dem sich die anderen untergeordnet haben. Wer nicht so ganz spurte, der wurde „sanft zurechtgewiesen“ und so hatte er immer das Vorrecht auf den ersten Bissen.

      Trotzdem keinerlei Revierkämpfe…

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